Nähe ist Medizin
Ein Stuhl, in dem eine Mutter ihr beatmetes Frühgeborenes zum ersten Mal im Arm hält. Eine fahrbare Wärmelampe, die Neugeborene nach der Geburt länger auf dem Bauch der Mutter liegen lässt. Und ein Testgerät, das Eltern nach einem auffälligen Neugeborenenscreening rasch Gewissheit verschafft. Drei Anschaffungen, die auf den ersten Blick wenig verbindet – außer dem Entscheidenden: Sie helfen in den ersten Tagen des Lebens, wenn Nähe und Klarheit am meisten zählen. Ermöglicht hat sie die Hans Weber Stiftung, die die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Starnberg mit 25.000 Euro unterstützt hat.
Schnelle Gewissheit für besorgte Eltern
Das neue Schweißtestgerät dient der Diagnostik der Mukoviszidose – einer angeborenen Stoffwechselerkrankung, bei der zäher Schleim vor allem Lunge und Verdauung belastet. Seit 2016 wird jedes Neugeborene in Deutschland darauf untersucht. Doch ein auffälliges Screening ist noch keine Diagnose: Nur bei etwa einem von fünf Kindern bestätigt sich der Verdacht. Gewissheit bringt erst der Schweißtest, der Goldstandard der Mukoviszidose-Diagnostik. Er ist schmerzfrei und misst den Salzgehalt im Schweiß, der bei Betroffenen erhöht ist.
„Zwischen einem auffälligen Befund und der endgültigen Diagnose liegen für Eltern die längsten Tage überhaupt“, sagt Prof. Dr. Thomas Lang, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Ärztlicher Direktor des Klinikums Starnberg. „Mit dem neuen Gerät führen wir den Schweißtest direkt bei uns durch – ohne lange Wege, ohne lange Ungewissheit. Die meisten Familien können wir so schnell beruhigen. Und wenn sich der Verdacht bestätigt, beginnen wir sofort mit der Therapie – gerade in den ersten Lebenswochen lässt sich der Verlauf der Erkrankung noch am besten beeinflussen.“
Zurück in die Arme der Eltern
Die beiden anderen Geräte wirken unscheinbarer – und rühren doch an das, was Neugeborene neben aller Medizin am dringendsten brauchen. Die Wärmelampe sorgt im Kreißsaal dafür, dass Babys nicht auskühlen und die ersten Momente nach der Geburt dort verbringen können, wo sie hingehören: bei den Eltern. Der Stillstuhl auf der Neugeborenenintensivstation macht möglich, was dort lange undenkbar war – dass Eltern auch beatmete Frühgeborene sicher auf den Arm nehmen.
„Auf einer Intensivstation steht die Technik schnell buchstäblich zwischen Mutter und Kind – Schläuche, Kabel, Monitore“, sagt Lang. „Diese Geräte drehen das um: Sie holen die Kinder zurück in die Arme ihrer Eltern. Denn Nähe ist Medizin. Hautkontakt stabilisiert Atmung, Herzschlag und Körpertemperatur, er stärkt die Bindung und erleichtert das Stillen. Gerade für die Kleinsten ist das nicht Beiwerk, sondern Teil der Behandlung.“
Fördern heißt: etwas verändern
Die Hans Weber-Stiftung fördert Projekte für Kinder und Jugendliche sowie für Natur und Umwelt, schwerpunktmäßig im bayerischen Oberland. „Wir fragen uns bei jedem Projekt zuerst: Wo können wir wirksam helfen – und wo bleibt etwas davon, das über den Tag hinaus trägt?“, sagt Dr. Gernot Lissack, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. „Hier sind es ein Stuhl, eine Lampe und ein Testgerät. Dinge, die man anfassen kann und die vom ersten Tag an im Einsatz sind – für Kinder, deren Leben gerade erst beginnt. Genau so stellen wir uns nachhaltige Förderung vor.“ Abgewickelt wurde die Förderung über den Freundeskreis des Klinikums Starnberg, der Anschaffungen dieser Art seit Jahren begleitet. Bei einem Termin auf der Neugeborenenintensivstation haben sich die Vorstandsmitglieder Hans Bauer und Jörg Zirlewagen die drei Geräte im Einsatz zeigen lassen.
Über die Hans Weber-Stiftung
Die Hans Weber-Stiftung mit Sitz in München engagiert sich seit 2019 im Natur- und Umweltschutz sowie in der Kinder- und Jugendhilfe, schwerpunktmäßig im bayerischen Oberland. Gefördert werden Vorhaben, die dauerhaft wirken – für Kinder und Jugendliche, für Tiere und für die Natur. Einrichtungen und Initiativen aus der Region, die ein entsprechendes Projekt vorstellen möchten, erreichen die Stiftung unter https://hans-weber-stiftung.de.