10. März 2026

„Der Darm ist kein Tabuthema – er ist ein Vorsorgethema“

Frau Dr. Rogers, der Darm hat kein besonders gutes Image. Zu Unrecht?


Absolut. Der Darm gehört zu den wichtigsten Organen unseres Körpers, trotzdem behandeln wir ihn oft wie ein Tabuthema. Vielleicht liegt das daran, dass er mit sehr intimen Körperfunktionen zu tun hat – Verdauung, Ausscheidung, Dinge, über die man selbst im engsten Kreis nicht unbedingt spricht. Und natürlich betrifft er eine sehr persönliche Körperregion. Das ist gewissermaßen der Elefant im Raum: Viele Menschen empfinden dieses Thema als unangenehm. Dabei ist der Darm kein Tabuthema – er ist ein Vorsorgethema.

 

Was macht ihn so wichtig?

Der Darm ist nicht nur für die Verdauung zuständig. Er ist ein hochkomplexes System mit Millionen von Nervenzellen, einem enormen Stoffwechsel und einer wichtigen Rolle für unser Immunsystem. Wenn dort etwas aus dem Gleichgewicht gerät, kann das große Folgen haben.

 

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen. Gleichzeitig gilt er als gut vermeidbar. Wie passt das zusammen?

Das klingt zunächst widersprüchlich, ist aber medizinisch gut erklärbar. Darmkrebs entsteht meist sehr langsam – oft über viele Jahre aus kleinen Schleimhautwucherungen, den sogenannten Polypen. Wenn wir diese bei einer Vorsorgeuntersuchung entdecken und entfernen, kann Krebs gar nicht erst entstehen.

 

Das bedeutet: Vorsorge kann tatsächlich verhindern, dass man krank wird?

Genau. Das ist der große Unterschied zu vielen anderen Krebsarten. Die Darmspiegelung ist nicht nur eine Früherkennung – sie ist gleichzeitig eine Form der Prävention.

 

Trotzdem schieben viele Menschen die Untersuchung vor sich her.

Ja, das erleben wir häufig. Die Vorstellung der Untersuchung ist für viele unangenehm. In der Realität ist sie aber viel unspektakulärer, als man denkt. Die meisten Patientinnen und Patienten bekommen eine kurze Sedierung und schlafen währenddessen. Wenn sie wieder aufwachen, ist die Untersuchung bereits vorbei.

 

Was würden Sie Menschen sagen, die immer noch zögern?

Ich würde sagen: Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit für Ihre Gesundheit. Gerade weil man sich im Alltag selten mit dem Darm beschäftigt, gerät das Thema Vorsorge leicht in den Hintergrund. Dabei ist es eine der sinnvollsten Untersuchungen, die man für die eigene Gesundheit machen kann.

 

Ab wann sollte man zur Vorsorge gehen?

In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen Vorsorgeuntersuchungen ab einem bestimmten Alter. Frauen und Männer können bereits ab 50 Jahren eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen. Alternativ gibt es regelmäßige Stuhltests, die auf verborgenes Blut untersuchen.

 

Am Klinikum Starnberg gibt es ein Darmkrebszentrum. Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

Das Darmkrebszentrum am Klinikum Starnberg ist von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Das bedeutet, dass Diagnostik und Behandlung nach klar definierten Qualitätsstandards organisiert sind. Wichtig ist vor allem die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen – von der Gastroenterologie über die Chirurgie bis zur Pathologie und Psychoonkologie. Entscheidungen werden gemeinsam im Tumorboard getroffen. Für Betroffene bedeutet das: Viele Expertinnen und Experten beraten gemeinsam über die bestmögliche Therapie.

 

Am 18. März lädt das Darmkrebszentrum zu einem Informationstag ein. Was ist die Idee dahinter?

Wir möchten informieren, Fragen beantworten und vor allem Hemmschwellen abbauen. Es wird kurze Vorträge geben, Infostände und viele Möglichkeiten zum persönlichen Gespräch. Medizin lebt auch davon, dass man miteinander spricht – gerade bei Themen, über die man sonst vielleicht eher schweigt.

 

Was wünschen Sie sich, wenn Menschen nach Hause gehen und über dieses Thema nachdenken?

Vielleicht vor allem Gelassenheit. Der Darm ist ein ganz normales Organ – und Vorsorge ist eine ganz normale Untersuchung. Wenn es uns gelingt, dieses Thema ein wenig aus der Tabuzone zu holen, dann haben wir schon viel erreicht.

 

Hinweis:

Das Darmkrebszentrum am Klinikum Starnberg lädt am Mittwoch, 18. März 2026, von 14:00 bis 19:30 Uhr zu einem Informationstag ein.

Ort: Klinikum Starnberg, Foyer und Casino (1. UG).

Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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