13. Februar 2026

„Das Herz bleibt oft erstaunlich leise“

Herr Dr. Renz, ganz grundsätzlich gefragt: Kann man dem Herzen trauen?
Das ist eine schöne und zugleich trügerische Frage. Ich würde sagen: Man darf seinem Herzen durchaus trauen – sollte es aber nicht völlig unbeobachtet lassen.

 

Warum?

Das Herz bleibt, wenn es krank wird, oft erstaunlich leise. Veränderungen im Rhythmus müssen nicht immer mit Beschwerden einhergehen. Kein Schmerz, kein Warnsignal, manchmal nicht einmal spürbares Herzstolpern. Und genau darin liegt die Gefahr.

 

Weil wir uns nicht allein auf das Körpergefühl verlassen können?

Genau. Unser Körper ist sehr gut darin, akute Probleme zu melden – Schmerz, Luftnot, Erschöpfung. Rhythmusveränderungen gehören aber nicht unbedingt dazu. Das Herz kann unregelmäßig schlagen, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Deshalb reicht das reine „Sich-gut-Fühlen“ beim Herzen nicht immer aus.

 

Dann lassen Sie uns einen Schritt zurückgehen: Was fühlen wir eigentlich, wenn wir unseren Puls tasten?

Der Puls ist das, was wir spüren, wenn das Herz Blut in die Gefäße pumpt: eine kleine Druckwelle, die sich bis ins Handgelenk fortsetzt. Und er verrät sehr viel über das, was im Herzen passiert.

 

Zum Beispiel?

Er gibt uns Auskunft über drei Dinge: Wie schnell das Herz schlägt, wie regelmäßig es schlägt – und ob der Schlag kräftig oder eher schwach ist. Gerade Frequenz und die Regelmäßigkeit sind entscheidend. Ein gleichmäßiger Puls ist in der Regel ein gutes Zeichen. Ein unregelmäßiger sollte zumindest aufmerksam machen.

 

Wie unterscheidet sich der Puls von Herzschlag und Herzfrequenz?

Der Puls ist das, was wir davon außen fühlen können. Der Herzschlag beschreibt den einzelnen Pumpvorgang des Herzens. Die Herzfrequenz sagt, wie oft das Herz pro Minute schlägt. Meist stimmen Herzfrequenz und Puls überein – aber nicht immer, denn bei manchen Rhythmusströungen kann sich der Puls abschwächen

 

Wie kompliziert ist Pulsmessen wirklich?

Eigentlich gar nicht. Zwei Finger an die Innenseite des Handgelenks oder an den Hals, ruhig sitzen, kurz warten – und dann für 15 Sekunden fühlen und zählen. Nimmt man das Ergebnis mal vier, hat man die Herzfrequenz pro Minute. Es reicht aber oft schon, wahrzunehmen: Ist der Puls regelmäßig oder stolpert er? Das lässt sich lernen – auch ohne medizinisches Vorwissen.

 

Wie oft sollte man das tun?

Nicht zwanghaft, aber gelegentlich. Zum Beispiel morgens in Ruhe oder abends auf dem Sofa. Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Vertrautheit. Wer seinen normalen Puls kennt, merkt Veränderungen eher.

 

Genau hier setzt auch der Pulse-Day an?

Ja. Der Pulse-Day ist eine Initiative der Deutschen Herzstiftung, die Menschen für ihren eigenen Puls sensibilisieren möchte. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Wissen und praktischen Erfahrungen.

 

Was bedeutet das konkret für den Pulse-Day im Klinikum Starnberg?

Wir schaffen einen Rahmen, in dem man Fragen stellen kann – ganz ohne Zeitdruck. Es geht darum, zu verstehen, was ein normaler Puls ist, warum Unregelmäßigkeiten oft unbemerkt bleiben und welche Möglichkeiten es gibt, genauer hinzuschauen. Dazu gehören kurze Vorträge, Gespräche oder praktische Demonstrationen. Wer möchte, kann den Puls messen lassen oder sich einfach informieren.

 

Also kein klassischer medizinischer Vortrag?

Nein. Eher ein Ort, an dem man Zusammenhänge begreifen kann. Viele Menschen haben Respekt vor dem Thema Herz. Wenn man versteht, wie viel man selbst wahrnehmen kann – und wo moderne Medizin unterstützt –, nimmt das Angst und schafft Orientierung und Vertrauen zum eigenen Herzen.

 

Was im Gespräch theoretisch bleibt, wird am Pulse-Day anschaulich: Im Eingangsbereich des Klinikums wird ein begehbares Herzmodell aufgebaut, das Größe, Aufbau und Funktionsweise des Organs eindrucksvoll zeigt. Besucherinnen und Besucher können das Herz von innen erkunden und so nachvollziehen, wie Rhythmus und Durchblutung zusammenspielen.

 

Hinweis:

Im Rahmen des bundesweiten Pulse-Day der Deutschen Herzstiftung am Sonntag, 1. März 2026, bietet das Klinikum Starnberg zwischen 11 und 14 Uhr im Eingangsbereich eine offene Informationsveranstaltung rund um den Puls an. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

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