Erst die Charité, dann das Klinikum Starnberg
Eine Woche lang Berlin. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bundesgesundheitsministerium, Bundesagentur für Arbeit, Charité, Goethe-Institut. Strategiepapiere und Recruitingmodelle. Am vergangenen Freitag endete die Deutschlandreise einer Delegation aus Indien, Indonesien und den Philippinen an einem anderen Ort: in Starnberg, in einem kommunalen Klinikverbund.
Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Frage, wie ein deutsches Krankenhaus internationale Pflegekräfte aufnimmt, ausbildet und einarbeitet. Die acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer sahen Stationen, sprachen mit Auszubildenden und Praxisanleiterinnen, fragten nach Sprachkursen, nach Anerkennungsverfahren, nach den ersten Wochen im neuen Beruf. Die Reise fand im Rahmen des Besucherprogramms des Auswärtigen Amts statt, organisiert vom Goethe-Institut.
Und die Gäste waren nicht irgendwer. Sondern zum Beispiel Dr. Venkata Ramana Reddy Ekkati, Vorsitzender der Karnataka Skill Development Authority — der Behörde, die im südindischen Bundesstaat Karnataka mit rund 70 Millionen Einwohnern die berufliche Bildung steuert, einschließlich der Pflegeausbildung. Mit ihm reisten ranghohe Vertreterinnen und Vertreter aus den Gesundheits- und Migrationsministerien Indonesiens und der Philippinen. Sie alle entscheiden in ihren Ländern darüber mit, wie Pflegekräfte ausgebildet, vermittelt und ins Ausland entsandt werden.
„Die Fragen, die international diskutiert werden, entscheiden sich bei uns auf den Stationen", sagt Stefanie Son, konzernübergreifende Pflegedirektorin der Starnberger Kliniken. „Wie läuft die Einarbeitung? Wer übernimmt die Praxisanleitung? Wie reagiert ein Team, wenn jemand Neues dazukommt, der die Sprache noch nicht sicher beherrscht? Das sind keine abstrakten Themen. Das ist Dienstplan."
Son verantwortet die Pflege an den Standorten Starnberg, Penzberg, Seefeld und Herrsching — gut 600 Betten, rund 2.500 Mitarbeitende, eine eigene Berufsfachschule für Pflege. Mit 109 neuen Auszubildenden im vergangenen Jahr ist der Verbund inzwischen der größte Ausbildungsbetrieb im Landkreis. Internationale Pflegekräfte gehören seit Jahren zu den Teams. „Wir haben gelernt, dass Integration dann gelingt, wenn jemand sie konkret begleitet", sagt Son. „Praxisanleiterinnen, die sich Zeit nehmen. Kolleginnen und Kollegen, die Fragen beantworten. Strukturen, die Sprache, Anerkennung und fachliche Einarbeitung zusammendenken. Das funktioniert hier — und genau darüber wollten unsere Gäste mit uns sprechen."
Für Geschäftsführer Dr. Thomas Weiler fällt im Termin zusammen, was meist getrennt verhandelt wird. „Was in Berlin entschieden wird, muss am Ende in Häusern wie unserem getragen werden", sagt Weiler. „Dass eine internationale Delegation des Auswärtigen Amts nach den Ministerien und der Charité bei uns Station macht, ist ein Signal: Die kommunale Versorgung wird nicht nur als Empfänger gesehen, sondern als beispielhafter Ort, an dem sich zeigt, ob Fachkräftepolitik trägt.“