20. April 2026

Präzision im entscheidenden Moment

Sie ist nur wenige Zentimeter lang, kaum länger als eine Fingerkuppe – und entscheidet im Zweifel darüber, wie präzise ein Tumor entfernt werden kann. Die neue intraoperative Ultraschallsonde am Klinikum Starnberg macht während der Operation sichtbar, was dem Auge verborgen bleibt: Tumoren, Gefäßverläufe, Grenzen. Rund 30.000 Euro hat das hochspezialisierte Instrument gekostet – vollständig finanziert durch den Freundeskreis des Klinikums Starnberg.

Wenn Sicht an ihre Grenzen stößt

„In der Leberchirurgie arbeiten wir oft an der Grenze dessen, was wir sehen können“, sagt Dr. med. Susanne Rogers, Leiterin des Darmkrebszentrums am Klinikum Starnberg. „Die Sonde erweitert gewissermaßen unseren Blick während der Operation. Sie zeigt uns Tumoren, die wir mit bloßem Auge oder auch in der Voruntersuchung nicht sicher erkennen würden – und sie macht sichtbar, wie nah sie an wichtigen Gefäßen liegen.“

Mehr sehen, gezielter entscheiden

Für die Chirurgin ist das kein technisches Detail, sondern tägliche Praxis: „Wir treffen viele Entscheidungen direkt im OP. Die Sonde hilft uns, diese Entscheidungen auf eine deutlich präzisere Grundlage zu stellen – etwa wenn es darum geht, wie viel Gewebe wir entfernen müssen und wo wir sicher schneiden können.“

Gerade bei Krebserkrankungen des Darms spielt die Leber eine zentrale Rolle: Ein erheblicher Teil der Patientinnen und Patienten entwickelt im Verlauf Lebermetastasen. Für viele Betroffene ist die Operation dann eine zentrale Chance auf Heilung. Hier setzt die intraoperative Ultraschalltechnik an. Sie gilt als eines der präzisesten bildgebenden Verfahren in der Leberchirurgie. Studien zeigen, dass sich damit zusätzliche Tumorherde entdecken lassen, die in der Voruntersuchung nicht sichtbar waren – in bis zu zehn bis 30 Prozent der Fälle. In bis zu einem Drittel der Operationen führt dies dazu, dass die chirurgische Strategie angepasst werden muss.

„Für uns am OP-Tisch bedeutet das: Wir sehen mehr – und wir entscheiden besser“, sagt Rogers. „Und für die Patientinnen und Patienten heißt das: Wir können Tumoren möglichst vollständig entfernen und gleichzeitig gesundes Gewebe besser schonen. Genau das entscheidet maßgeblich darüber, wie gut die Chancen im weiteren Verlauf sind.“

Auch Prof. Dr. Arnold Trupka, Chefarzt der Klinik für Endokrine Chirurgie, der ebenfalls bereits mit der neuen Technik operiert, ordnet die Bedeutung ein: „Die Sonde ist für uns vor allem bei der Chirurgie der Nebennieren sehr hilfreich – um die meist gutartigen Tumore von den gesunden Anteilen der Nebenniere abzugrenzen. Das ist besonders bei schwieriger Orientierung im Gewebe von Vorteil, etwa bei Voroperationen mit Narbenbildung oder bei kleinen Befunden mit viel umgebendem Fettgewebe. In solchen Situationen können wir zusätzliche Informationen gewinnen, die uns im OP mehr Sicherheit geben und zum Vorteil der Patienten eingesetzt werden können.“

Medizinischer Fortschritt braucht Engagement vor Ort

Dass diese Form der Hochpräzisionsmedizin vor Ort möglich ist, liegt auch am Engagement in der Region. „Als Förderverein unterstützen wir gezielt dort, wo zusätzliche Möglichkeiten einen unmittelbaren Nutzen für die Patientinnen und Patienten haben“, sagt Altlandrat Karl Roth, Vorsitzender des Freundeskreises des

Klinikums Starnberg. „Die Ultraschallsonde ist ein gutes Beispiel dafür: Sie verbessert die medizinische Versorgung ganz konkret – direkt hier bei uns im Landkreis.“

„Solche Entwicklungen zeigen, wie wichtig die enge Verbindung zwischen Klinik und Region ist“, sagt Dr. Thomas Weiler, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Die Unterstützung des Fördervereins ermöglicht es uns, neue Verfahren schneller in die Versorgung zu bringen und medizinische Qualität gezielt weiterzuentwickeln.“ Geschäftsführer Harald Becker ergänzt: „Das kommt unmittelbar bei den Patientinnen und Patienten an. Wir können präziser arbeiten, bessere Entscheidungen treffen – und genau das macht im klinischen Alltag den Unterschied.“

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