Der kleinste Patient der Pflegeschulen
Ludwig weint, hustet und hat Schluckauf. Wer ihn mit dem Stethoskop abhört, hört Herztöne und Atemgeräusche – gesunde oder auffällige, je nachdem, was am Tablet eingestellt ist. Ludwig ist der neue Säuglingssimulator im Skills Lab, dem Übungsbereich der Pflegeschulen Starnberg: eine lebensechte Trainingspuppe, an der angehende Pflegefachkräfte den Umgang mit den Kleinsten erlernen. Rund 19.000 Euro hat die Anschaffung gekostet. Finanziert wurde sie gemeinsam vom Freundeskreis und Förderverein Krankenhaus Seefeld e.V., der 7.500 Euro beisteuerte, und vom Freundeskreis des Klinikums Starnberg, der den übrigen Betrag übernahm. Auch der runde Geburtstag von Landrat Stefan Frey spielt eine tragende Rolle. Aber der Reihe nach.
Üben, bis die Handgriffe sitzen
Blutdruck messen, Puls fühlen, eine Magensonde legen, einen Zugang setzen – vieles davon ist am Säugling deutlich anspruchsvoller als am Erwachsenen. Bislang konnten die Schülerinnen und Schüler solche Handgriffe erst im Praxiseinsatz erlernen. Mit Ludwig ändert sich das: Über ein Tablet lassen sich Herz-, Lungen- und Darmgeräusche, Stimmäußerungen und ganze Krankheitsbilder simulieren – von der Lungenentzündung bis zum Notfall mit Atemnot oder Herzstillstand.
„Man hört zum Beispiel ein Rasseln in der Lunge und muss reagieren – genau wie später auf Station“, sagt Pflegeschüler Michael Hauck, der den Simulator gemeinsam mit seiner Mitschülerin Quirina Zialkowski vorführt. „Nur dass man hier Fehler machen darf. Man probiert es einfach noch einmal – so lange, bis es sitzt.“
Für Daniela Matzke, Leiterin der Pflegeschulen, schließt der Simulator eine Lücke in der Ausbildung: „Ein Säugling ist kein kleiner Erwachsener. Schon das Abhören ist eine ganz eigene Herausforderung – und seit der Reform der Pflegeausbildung müssen alle unsere Schülerinnen und Schüler auch die Versorgung von Kindern beherrschen. An Ludwig können sie das jetzt so oft üben, wie sie wollen und ohne Scheu, dass sie bei einem echten Kind etwas falsch machen würden.“ Rund 150 Schülerinnen und Schüler der Pflegeschulen profitieren künftig von dem Simulator. Dass er überhaupt angeschafft werden konnte, sei alles andere als selbstverständlich: „Eine Investition in dieser Größenordnung könnten wir als Schule aus eigener Kraft niemals stemmen. Ohne die beiden Fördervereine gäbe es Ludwig nicht.“
Fördern, wo es sonst nicht möglich wäre
Genau hier setzen die beiden Vereine an. „Für solche Fälle sind wir da“, sagt Klaus Kögel, Erster Bürgermeister von Seefeld und Vorsitzender des Freundeskreises und Fördervereins Krankenhaus Seefeld e.V. „Wir springen dort ein, wo etwas wichtig und sinnvoll ist, im laufenden Budget aber schlicht keinen Platz findet. Und die Pflegeausbildung ist bestens angelegtes Geld: Die jungen Leute, die heute an Ludwig üben, stehen morgen in unseren Häusern am Krankenbett.“
Altlandrat Karl Roth, Vorsitzender des Freundeskreises des Klinikums Starnberg, machte beim Besuch im Skills Lab selbst die Probe – mit dem Stethoskop am Ohr: „Ich war verblüfft, wie echt sich das anhört. Man vergisst fast, dass da eine Puppe im Bettchen liegt. Und wenn ich sehe, mit welcher Selbstverständlichkeit unsere Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler damit umgehen, weiß ich: Dieses Geld ist bei den richtigen Leuten angekommen.“
Bleibt der eingangs erwähnte runde Geburtstag: Landrat Stefan Frey, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Starnberger Kliniken, feierte im vergangenen Jahr seinen 50. – und bat seine Gäste statt Geschenken um Spenden für die Pflegeschulen. 7.500 Euro kamen auf diesem Weg zusammen und flossen über den Freundeskreis in die Anschaffung. „Ich habe mir zu meinem Fünfzigsten nichts gewünscht, was man einpacken kann – sondern etwas, das bleibt“, sagt Frey. „Dass aus den Spenden meiner Gäste nun Ludwig geworden ist, freut mich sehr. Die Pflegeausbildung gehört zum Wichtigsten, was wir im Landkreis für die Zukunft unserer Krankenhäuser tun können.“