Wann muss die Schilddrüse wirklich operiert werden?
Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat Veränderungen an der Schilddrüse – oft, ohne es zu wissen. Die allermeisten davon sind harmlos. Trotzdem löst ein Knoten bei vielen Menschen dieselbe Frage aus: Muss das raus? Am Donnerstag, 24. September 2026, um 18 Uhr geht Maroof Sayeed Shah, Oberarzt für Endokrine Chirurgie am Klinikum Starnberg, im Casino des Klinikums genau dieser Frage nach. Sein Vortrag „Zwischen Überfunktion, Knoten und Krebsverdacht: Wann operieren wir die Schilddrüse?“ ist Teil der Vortragsreihe der Starnberger Kliniken.
„Nicht jeder Knoten muss operiert werden – heute deutlich seltener als noch vor zwanzig Jahren“, sagt Shah. „Das Entscheidende ist nicht, ob man einen Knoten findet. Entscheidend ist, ob er Beschwerden macht, ob die Hormone aus dem Gleichgewicht sind – oder ob wir einen bösartigen Befund nicht sicher ausschließen können.“
Damit liegt Shah auf der Linie der Fachgesellschaften: Die European Thyroid Association hält in ihrer Leitlinie von 2023 fest, dass die meisten Schilddrüsenknoten gutartig sind und keine Behandlung brauchen – und dass auch die Mehrzahl der entdeckten Karzinome klein ist und ohne Operation sicher beobachtet werden kann. Eine neue deutsche S3-Leitlinie vom März 2026 zielt ausdrücklich darauf, unnötige Untersuchungen und Behandlungen zu vermeiden.
„Weniger operieren heißt nicht weniger genau hinschauen – im Gegenteil“, sagt Shah. „Ein Krebs, der wächst und streut, gehört in aller Regel operiert. Ein winziger Befund, der über Jahre still bleibt, darf oft einfach beobachtet werden. Das eine vom anderen zu unterscheiden, ist heute die eigentliche Kunst.“
Im Vortrag erklärt Shah, wie diese Unterscheidung gelingt: Welche Rolle Ultraschall, Blutwerte und Gewebeproben spielen. Woran man erkennt, dass eine Überfunktion nicht mehr allein mit Tabletten in den Griff zu bekommen ist. Und welche Alternativen es zum Skalpell gibt – von der Beobachtung in festen Abständen über die Radiojodtherapie bis zu Verfahren, bei denen ein gutartiger Knoten mit Hitze verkleinert wird. Wenn eine Operation nötig ist, zeigt er, wie sie heute abläuft und wie sich Risiken wie eine Schädigung des Stimmbandnervs oder der kleinen Nebenschilddrüsen so gering wie möglich halten lassen.
„Ich möchte, dass die Menschen nach dem Abend besser einschätzen können, was ihr Befund bedeutet – und mit welchen Fragen sie zu ihrer Ärztin oder ihrem Arzt gehen sollten“, sagt Shah. „Viele kommen heute gut informiert zu uns, das ist gut so. Aber ein Befund ist nie nur ein Befund. Alter, Beschwerden, Hormonlage, Begleiterkrankungen, die Größe und Lage eines Knotens – aus all dem entsteht erst die Entscheidung. Sie sorgfältig zu treffen, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten, ist der Kern unserer chirurgischen Arbeit.“
Der Vortrag richtet sich an alle Interessierten, insbesondere an Menschen mit einem Schilddrüsenbefund und ihre Angehörigen. Fragen sind erwünscht.
Vortrag: „Zwischen Überfunktion, Knoten und Krebsverdacht: Wann operieren wir die Schilddrüse?“
Referent: Maroof Sayeed Shah, Oberarzt Endokrine Chirurgie, Facharzt für Viszeralchirurgie, Zusatzbezeichnung Spezielle Viszeralchirurgie, F.E.B.S. (Neck Endocrine Surgery), Klinikum Starnberg
Wann: Donnerstag, 24. September 2026, 18:00 Uhr
Wo: Casino (1. UG), Klinikum Starnberg, Oßwaldstraße 1, 82319 Starnberg
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.